Glossar · Immobilienfinanzierung
Kapitaldienstfähigkeit
Die Kapitaldienstfähigkeit beantwortet die Kernfrage jedes Kapitalgebers: Kann dieser Kreditnehmer Zins und Tilgung dauerhaft bedienen?
Zuletzt aktualisiert: 18. Juli 2026 · Geprüft von Jürgen Kronawitter
Wie wird die Kapitaldienstfähigkeit berechnet?
Die Grundrechnung ist einfach: nachhaltige Einnahmen minus nachhaltige Ausgaben = frei verfügbarer Cashflow für den Kapitaldienst. Bei Immobilieninvestoren fließen ein: Mieteinnahmen (bereinigt um Leerstands- und Ausfallwagnis), Bewirtschaftungs- und Instandhaltungskosten, bestehende Kapitaldienste, Steuern sowie – bei natürlichen Personen – private Verpflichtungen. Kapitalgeber rechnen konservativ: mit Stressaufschlägen auf den Zins, pauschalen Bewirtschaftungskosten und ohne einmalige Sondererträge.
Kapitaldienstfähigkeit und DSCR – zwei Blickwinkel
Der DSCR misst objektbezogen, ob ein einzelnes Objekt seine Finanzierung trägt. Die Kapitaldienstfähigkeit betrachtet den gesamten Darlehensnehmer – inklusive aller Objekte, Einkünfte und Verpflichtungen. Ein Portfolio kann objektweise solide DSCRs zeigen und trotzdem an der Gesamt-Kapitaldienstfähigkeit scheitern, etwa wenn mehrere Anschlussfinanzierungen gleichzeitig fällig werden. Professionelle Bestandshalter steuern deshalb Fälligkeitenprofile und Zinsbindungen aktiv.
Hebel zur Verbesserung der Kapitaldienstfähigkeit
- Struktur: längere Laufzeiten, angepasste Tilgung, endfällige Tranchen für Projektphasen ohne Cashflow.
- Zinssicherung: Zinsbindungen und Forward-Darlehen stabilisieren den Kapitaldienst.
- Portfolio-Ordnung: Refinanzierung teurer Altdarlehen, Bündelung über eine Portfoliofinanzierung.
- Aufbereitung: nachvollziehbare Cashflow-Rechnungen und saubere Unterlagen – oft der Unterschied zwischen Absage und Zusage. Genau hier setzen wir mit der Ersteinschätzung an.
Häufige Fragen
Kapitaldienstfähigkeit – kurz beantwortet
Was gehört alles in die Kapitaldienstrechnung?
Alle nachhaltigen Einnahmen (bereinigte Mieten, ggf. weitere Einkünfte) abzüglich Bewirtschaftung, Instandhaltung, bestehender Kapitaldienste, Steuern und – bei Privatpersonen – Lebenshaltung. Der verbleibende Überschuss muss den neuen Kapitaldienst mit Puffer tragen.
Rechnen Kapitalgeber mit dem aktuellen Zins?
Meist konservativer: mit Stresszinsen oberhalb des Vertragszinses und pauschalen Kostenansätzen. So wird geprüft, ob die Finanzierung auch bei Zinsanstieg und Mietausfall tragfähig bleibt.
Was tun, wenn die Kapitaldienstfähigkeit nicht ausreicht?
Struktur anpassen: Tilgung senken, Laufzeit strecken, endfällige Tranchen einbauen, Eigenkapital erhöhen oder teure Altdarlehen refinanzieren. Häufig scheitert es weniger am Cashflow als an einer unpassenden Struktur.
Weiterführend
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